Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen an dieses Hörbuch herangegangen – und das liegt vor allem am starken Einstieg. Gleich das erste Kapitel, das 1939 spielt und eine waghalsige Flucht mit einem Luftschiff über die deutsche Grenze schildert, hat mich sofort gepackt. Das ist atmosphärisch dicht, spannend erzählt und endet mit einem richtig guten Cliffhanger. Genau so will ich in ein Abenteuer reingezogen werden.
Kurz zur Geschichte:
1939 verlässt ein geheimes Luftschiff das Deutsche Reich, an Bord jüdische Familien, einflussreiche Persönlichkeiten – und ein Objekt von unschätzbarem Wert und großer Gefahr. Das Schiff erreicht sein Ziel jedoch nie. 70 Jahre später stösst der ehemalige Marinesoldat und Meeresbiologe Sam Reilly auf eine neue Spur. Was folgt, ist eine brutale Schatzsuche und ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem skrupellose Gegner und die Aussicht auf unbegrenzte Macht eine zentrale Rolle spielen.
Handwerklich gibt es am Hörbuch wenig auszusetzen. Die Produktion ist sauber, professionell und angenehm zu hören. Der Sprecher Jonathan Springer macht insgesamt einen guten Job, auch wenn mir der Vortrag stellenweise einen Tick zu sachlich war. Gerade in emotionaleren oder besonders temporeichen Momenten hätte ich mir etwas mehr Punch gewünscht.
Leider kann die restliche Geschichte für mich nicht ganz mit diesem starken Prolog mithalten. Der Plot springt häufig zwischen den beiden Protagonisten Sam und Tom hin und her und verliert dabei das eigentlich spannende Mysterium rund um das verschollene Luftschiff über längere Strecken aus den Augen. Das hat bei mir immer wieder für kleine Längen gesorgt.
Ein weiterer Punkt: Die beiden Hauptfiguren sind mir emotional nie wirklich nahegekommen. Sam und Tom sind klassische Alleskönner – clever, stark, moralisch sattelfest. Das Problem daran ist, dass die zahlreichen actionreichen Strapazen auf hoher See und in luftigen Höhen dadurch kaum Spannung erzeugen. Wenn die Helden gefühlt keine Schwächen haben, fiebere ich einfach weniger mit. Das machen die grossen Vorbilder wie Clive Cussler, James Rollins oder Matthew Reilly etwas geschickter – obwohl auch deren Figuren oft unkaputtbar sind.
Unterm Strich hatte ich mit «Berlins letztes Luftschiff» solide Unterhaltung, ein starkes Intro und eine hochwertige Hörbuchproduktion. Wer actiongeladene Abenteuer mit Schatzsuche, Verschwörungen und historischen Geheimnissen mag, kann hier durchaus reinhören. Ich persönlich hätte mir nach dem fetzigen Prolog aber etwas mehr Fokus, mehr emotionale Tiefe und vor allem mehr echte Spannung im weiteren Verlauf gewünscht.
Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Das Hörbuch ist direkt über den Verlag oder auf verschiedenen anderen Plattformen als eBook erhältlich.

